Usters Gewerbeverband brüskiert seine Konsumierenden

Uster, 10. März 2026. – Zuerst lädt der Gewerbeverband Uster uns ein, in seiner Zeitung ein Inserat zu schalten. Als wir die Inserate einschicken, lehnen sie dies ab. Die Begründung ist stossend.

Mit einem Mail informierte uns die lokale Gewerbezeitung am 21. Februar, dass Ende März eine Ausgabe der Zeitung in allen Haushalten der Stadt Uster verteilt werde. Und sie lud uns ein, in dieser Ausgabe eine Wahlanzeige zu buchen. Als Zückerchen versprach die Zeitung, dass wir einen redaktionellen Beitrag und ein Bild veröffentlichen dürfen.

Wir entschieden uns, zwei Inserate im Format «Minimalanzeige» zu platzieren. Wir liessen diese gestalten und verfassten einen Artikel:

Lokales Gewerbe für eine ökologische Wirtschaft

Das Gewerbe spielt für Uster eine zentrale Rolle. Es versorgt die Bevölkerung mit Produkten und Dienstleistungen und ist als Arbeitgeber und Berufsbildner eine wesentliche Säule der Gemeinschaft. Umgekehrt verschafft das wachsende Uster dem Gewerbe neue Möglichkeiten. Das ist gut so. Eine gesunde und florierende Wirtschaft ist ebenso wichtig wie eine gesunde und florierende Umwelt und ein gesundes und florierendes Sozialwesen. Nur zusammen ist nachhaltige Lebensqualität möglich.

Entsprechend trägt die im Richtplan angelegte Stadtentwicklung auch den Bedürfnissen des Gewerbes Rechnung. So haben im künftig autofreien Stadtzentrum Lieferanten selbstverständlich Zufahrt – die Chauffeure werden die staufreien Strassen schätzen, die Geschäfte die pünktlichen Lieferungen und die Kundschaft den Platz zum Flanieren.

Einst lief Uster Gefahr, zur „Schlafstadt“ Zürichs zu werden. Heute gibt es immer mehr Möglichkeiten, auch in Uster einzukaufen, Essen zu gehen oder den Abend zu verbringen. Von kurzen Wegen profitieren die Ustermer/innen ebenso wie die lokalen Anbieter und die Ökologie. Besser, den Sanitär oder Elektriker vor Ort rufen, als den Pikettdienst eines auswärtigen Unternehmens. Besser zu Fuss in den Ausgang statt mit dem Auto nach Zürich. Dafür braucht es aktive Unternehmen vor Ort, die auf erneuerbare Energien setzen, Ressourcen schonen und Abfälle reduzieren. So leisten sie nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen ökologischen Beitrag für Stadt und Bevölkerung.

Am 3. März buchten wir bei der Gewerbezeitung die beiden Inserate. Tags darauf erfolgte aber die Absage: der Gewerbeverband akzeptiere «nur bürgerliche Anzeigen und Beiträge»:

 

Dieses Verhalten stösst auf Unverständnis: Weshalb lädt die Gewerbezeitung jemanden zum Inserieren ein, um diese dann abzulehnen?

Noch bei den Wahlen 2018 war es uns möglich, ein Inserat in der Gewerbezeitung zu schalten:

Inserat in der Gewerbezeitung 2018

Die Gewerbezeitung ist das Publikationsorgan des Gewerbeverbands Uster. Dieser ist aber kein rein bürgerlicher Zusammenschluss. In ihren Reihen gibt es auch Mitglieder der Grünen. Der Gewerbeverband ist also vielfältiger als er sich gibt.

Zudem: Jeder Gewerbetreibende in Uster ist froh um seine Kundschaft – und fragt nicht zuerst um deren politische Meinung. Vertreten werden sie aber von einem Vorstand, der die politische Auseinandersetzung aus dem Gemeinderatssaal in die Läden und Geschäfte von Uster trägt. Bei einer solchen Strategie kann das Gewerbe nicht gewinnen.

Die Grünen gelten als eine ausgesprochen gewerbefreundliche Partei – aus eigenem Interesse. Das liegt in der Natur der Sache: Die meisten Grünen erledigen ihre Besorgungen und Einkäufe zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus – also lokal. Sich rasch ins Auto setzen und für eine Besorgung ins übernächste Dorf fahren, geht für Grüne nicht, weil die meisten von ihnen keines haben. Deshalb gehören die Grünen zu den treusten Kundinnen und Kunden des Ustermer Gewerbes!

Auch in den bisherigen Wahlkämpfen zeigten wir unsere Nähe zum Ustermer Gewerbe eindrücklich. So verteilten wir jeweils einen Einkaufsführer mit Empfehlungen für den lokalen, nachhaltigen Konsum. Die Tipps umfassten Hofläden, Nähateliers, eine Schuhreparatur, Secondhand-Shops, Kulturlokal, etc. Dabei spielte es uns keine Rolle, welcher Partei die Besitzerin oder der Inhaber angehört: Hauptsache lokal und nachhaltig!

Einkaufsführer 2014, 2018 und 2022

Wir fordern den Gewerbeverband auf, sich ehrlich für das vielfältige Ustermer Gewerbe einzusetzen, statt es in eine bestimmte ideologische Ecke zu rücken und damit eine treue Kundschaft zu vergraulen.

Artikel im Tagesanzeiger.